Erben und Vererben

 

Wer Vermögen hat, sollte im Interesse seiner Angehörigen, seines Unternehmens und seiner Mitarbeiter, aber auch aus sozialer Sicht über den Tod hinaus rechtzeitig letztwillige Verfügungen treffen. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten, den Nachlass zu regeln. Entweder Sie bestimmen selbst im Detail, wer was bekommen soll, oder Sie informieren sich über die gesetzliche Erbfolge. Hierzu empfiehlt sich zuallererst ein Blick ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Das Gesetz hält in den folgenden Paragraphen 1924 bis 1936 BGB Bestimmungen bereit, die immer dann gelten, wenn der oder die Verstorbene nichts anderes verfügt, insbesondere also kein Testament hinterlassen und keinen Erbvertrag geschlossen hat.

Die gesetzliche Erbfolge

Seit Jahresbeginn 2009 gilt ein neues Erbschafts-Steuerrecht.

Das neue Recht begünstigt Ehepartner, Kinder und Enkel im Vergleich zur früheren Gesetzeslage, Neffen und Nichten stehen vergleichsweise schlechter da. Neue Regeln gelten auch für das Vererben von Familienunternehmen, bei denen es nicht zuletzt um die Weiterführung des Betriebs und den Erhalt von Arbeitsplätzen geht. Wer Vermögen besitzt und seine letzten Dinge regeln will, muss sich frühzeitig mit den Gestaltungsmöglichkeiten befassen, die das neue Recht bietet.

Das Testament

Jeder muss damit rechnen, vielleicht schon in jungen Jahren einer Tod bringenden Krankheit oder einem Unfall zum Opfer zu fallen, und jeder sollte sich daher Gedanken machen, wie er am Besten seinen Nachlass regelt. Sie wollen sicher sein, dass es unter Ihren Erben keinen Streit gibt und ihr letzter Wille auch tatsächlich eingehalten wird? In diesen Fällen müssen Sie ein Testament errichten.

Wer kann ein Testament errichten ?

Jeder Volljährige, der im Besitz seiner geistigen Kräfte ist und den Inhalt seiner Verfügung überblickt, kann ein Testament verfassen.

Der Gesetzgeber unterscheidet 2 Testamentsformen:

  • das eigenhändige Testament
  • das notarielle Testament

Das eigenhändige Testament

Bei dieser  Gestaltungsform muss der Erblasser das Testament von Anfang bis Ende handschriftlich verfassen. Die Handschrift muss lesbar sein. radierte, durchgestrichene und verbesserte Verfügungen sollte der „letzte Wille“ nicht enthalten. In diesen Fällen empfiehlt sich das Testament neu zu schreiben. Die Verwendung einer Schreibmaschine führt ebenso zur Unwirksamkeit wie der Einsatz eines Computers oder die Verwendung einer Tonbandaufzeichnung. Es muss ein Datum tragen, damit bei mehreren Testamenten geklärt werden kann, welches das zuletzt verfasste ist. Man sollte aber auch nicht vergessen, mit dem ganzen Namen, also mit dem Vor- und dem Familiennamen zu unterschreiben, damit kein Irrtum über die Person, die das Testament erstellt hat, aufkommen. Die Aufbewahrung kann durch Sie selbst, durch einen Vertrauten oder durch amtliche Verwahrung gegen einen Hinterlegungsschein beim zuständigen Amtsgericht erfolgen. Grundsätzlich gilt, dass von mehreren im Nachlass gefundenen Testamenten jeweils das zuletzt ausgestellte gültig ist. Hier entscheidet das Ausstellungsdatum. Ältere Vermächtnisse gelten automatisch als widerrufen.

Das notarielle Testament

Wer sichergehen will, bei der Abfassung seines Testamentes keinen Fehler zu machen, sollte ein öffentliches Testament – auch notarielles Testament genannt – errichten. Das geschieht in der Weise, dass der „Letzte Wille“

  • mündlich gegenüber dem Notar erklärt
  • oder
  • selbst schriftlich abgefasst und dem Notar übergeben wird

Der Notar ist verpflichtet, Sie dabei zu beraten und bei der Formulierung zu helfen. Das notarielle Testament wird immer amtlich verwahrt, d.h. es wird bei dem Amtsgericht, dass für den Sitz des Notars zuständig ist, hinterlegt, und nach dem Tod des Erblassers eröffnet.

Das gemeinschaftliche Testament

Ehegatten genießen den Vorzug, ihren letzten Willen in einem gemeinsamen Testament niederschreiben zu können. Das geschieht beispielsweise so, dass ein Ehegatte den „Letzten Willen“ beider handschriftlich aufschreibt und dann beide mit Vor- und Zunamen unterschreiben. Datum und Ort sollten bei jeder Unterschrift hinzu gesetzt werden. Bei einem solchen Testament ist jedoch zu beachten, dass keiner der beiden Ehegatten Verfügungen widerrufen kann, von denen anzunehmen ist, dass sie nicht ohne die Verfügung des anderen getroffen sein würden. Dies bedeutet, dass der überlebende Ehegatte in der Regel an das gemeinschaftliche Testament gebunden ist und es nicht mehr ändern kann. Häufig wollen die Ehegatten, dass nach dem Tode des Erstversterbenden zunächst der überlebende Ehegatte alles erbt und erst nach seinem Tod die Kinder erben sollen. In diesem Falle setzen sich die Ehegatten gegenseitig zu Alleinerben ein und bestimmen, dass die Kinder erst nach dem Tod des letztversterbenden Ehegatten Erben sein sollen (sog. „Berliner Testament“).

Der Erbvertrag

Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, dass der Nachlass in Ihrem Sinne verteilt wird,  haben Sie die Möglichkeit, mit den Erben einen Erbvertrag zu schließen. In einem Erbvertrag können Sie mit den Erben unwiderruflich folgendes regeln:

  • die Erbeinsetzung (einschl. der Benennung von Vor- und Nacherben sowie Ersatzerben)
  • Vermächtnisse
  • Auflagen, z. B. Nießbrauch
  • sonstigen Regelungen

Der Erbvertrag muss vor einem Notar bei gleichzeitiger Anwesenheit aller Partner  geschlossen werden. Dieser kann nur gegen einen Hinterlegungsschein beim Nachlassgericht oder auch beim Notar verwahrt werden. Für die Errichtung berechnet der Notar eine Testamentsgebühr.